Conni hat mich gefragt, was für mich als Autorin ein gutes Kinderbuch ausmacht. Die spannende Frage lautet aber vielleicht eher: Ist es wirklich relevant, was Erwachsene für ein gutes Kinderbuch halten? Sollten es nicht die Kinder sein, die die Bücher kaufen – unabhängig von der Meinung der Erwachsenen?

Wer genau schaut, kann nicht umhin zu erkennen, dass hinter jeder Buch-Abneigung ein Problem steckt. Und hinter jedem Problem eine Angst. Glaubt ihr nicht?

 

5 Beispiele dafür, dass nicht das Buch das Problem ist, sondern du

 

1. Zu kompliziert? Voll doof

Ich hasse Technik. Ehrlich. Dass mir noch nichts um die Ohren geflogen ist, wenn zum Beispiel mein Mann nicht da war und ich gezwungen war, die leere Gasflasche des Küchenherds auszutauschen, ist echt ein Wunder. Und aufgrund meiner Technik-Phobie kann man mich auch mit Science Fiction jagen. Es will nicht in meinen Kopf rein, das Bild dieser seltsamen Anderswelten mit ihren technischen Errungenschaften, von denen ich keine Ahnung habe.

Warum diese Angst vor Büchern mit Superhelden, die auf ihrem raketengesteuerten Skateboard durch die Nacht düsen? Vielleicht, weil sie mir meine Schwachstelle unter die Nase reiben würden? Und wer mag schon immer wieder darauf hingewiesen, dass er in einem bestimmten Bereich Defizite hat?

 

2. Schlecht geschrieben? Grausig

Mit Rechtschreibfehlern überhäufte Kinderbücher in Kombination mit dem beliebten Reimschema Holper-Holper-Stolper kann kein Lektor leiden. Warum aber haben wir damit ein so großes Problem?

Ich glaube, hier ist es die Angst vor dem Verfall der deutschen Sprache und die hehre Hoffnung, diesem durch gute Texte entgegenwirken zu können. Funktioniert eh nicht. Niemand ist perfekt und somit sollte auch niemand das perfekte Produkt erwarten (dennoch finde ich, dass jeder, der eine Rolle im Zyklus der Buchveröffentlichung spielt, darauf hinarbeiten sollte, das perfekte Buch zu produzieren [nur um dann nach Veröffentlichung doch noch einen winzigen Kommafehler zu entdecken, über den er sich dann tagelang ärgern kann – was eigentlich auch niemandem was bringt, ihn aber nicht vom Wutgrummeln abhält. Ob das jemals aufhört?]).

 

3. Alltagsszenen im Kinderbuch: Laaangweilig

Kennt ihr das auch: Ihr lest eine Gute-Nacht-Geschichte vor, die so unfassbar langweilig ist, dass ihr irgendwann im Geiste abschaltet und einem Roboter gleich irgendwas runterleiert, bis euch schließlich die Augen zufallen. Erst ein Schlag gegen den Kopf lässt euch wieder hochschrecken – ein Kind hat versucht, an euch vorbei ins Bett zu krabbeln und ist dabei leider mit dem Knie an eurer Schläfe hängen geblieben.

Ihr beschließt, das unfassbar langweilige Kinderbuch bei nächster Gelegenheit dem örtlichen Kindergarten zu spenden. Kurz erscheint ein animiertes Bild vor euren Augen: Alle Kindergartenkinder rennen wild durcheinander – es scheppert und kracht, Scheiben zerbrechen, weil in den Gruppenräumen Fußball gespielt wird – währenddessen schnarchen auf und unter der Vorlese-Couch sämtliche Erzieherinnen inklusive der Kindergartenleitung. Davor zu sehen: das Buch, das laaaaangweilige Buch.

Okay, vielleicht doch besser nicht an den Kindergarten spenden.

Was ist da nun da das Problem? Tja, entweder habt ihr selbst Angst vor Langeweile (wie ich) – oder davor, dass die Kinder unbeaufsichtigt irgendeinen Blödsinn machen. Und gerade dann passieren solche Sachen. Resonanzgesetz und so.

 

4. Ich will das, was ich nicht kriegen kann

Die doofe Autorin, die hat schon wieder einen Bestseller geschrieben. Dabei hat die doch gar kein Talent. Schreibt wie ne Erstklässlerin. Könnte mein Sohn besser. Und der ist noch im Kindergarten! Ich weiß gar nicht, was die alle finden an diesem Buch. Voll an den Haaren herbeigezogen, die ganze Geschichte. Kann man überhaupt nicht mitgehen!“

Schon mal gehört oder gelesen? Ich schon. Sehr, sehr oft. Mit dem Argument zwar noch nicht über meine Bücher, aber ich bin sicher … das kommt auch noch.

Und wisst ihr, was ich eigentlich am häufigsten höre, wenn ich irgendwo kundtue, dass ich Bücher schreibe? „Oh, echt? Das wollte ich auch schon immer machen!“

Und genau das ist das Problem, denn: Die meisten habens halt nicht gemacht. Oder sie haben es versucht, sind gescheitert und dementsprechend frustriert. Da muss man natürlich allergisch reagieren auf diejenigen, die Erfolg haben.

Finde ich echt schade, was da teilweise abgeht. Und ich frage mich dann oft: Würden die Leute das den Kolleginnen auch ins Gesicht sagen, wenn sie vor ihnen stünden? Dank Internet-Anonymität ist das natürlich nicht weiter schwer.

Aber irgendwie gehört es auch dazu heutzutage: Wird nicht gemeckert, ist das Buch ganz bestimmt nicht gut.

 

5. Hilfe, mein Kind wird manipuliert!

Zugegeben, dieses Problem kann ich echt gut nachvollziehen. Als wir noch nicht vegan gelebt haben, wollte ich auf keinen Fall ein Kinderbuch haben, das meinen Kindern erzählte, wie böse diejenigen sind, die nicht vegan leben. Um ehrlich zu sein: So ein Buch will ich auch heute noch nicht haben. Um alles, was nach Extremismus schreit, mache ich lieber einen Bogen.

Aber ein Problem habe ich trotzdem, nämlich die Angst, dass meine Kinder beeinflusst werden in eine Richtung, die mir nicht gefällt.

Auf der anderen Seite: Wir Eltern sind doch der größte Einfluss, den unsere Kinder haben. Und da wird auch verdammt viel Erziehung hängen bleiben – merken wir doch alle, wenn wir Sätze von uns geben, die unsere Eltern schon gesagt und die wir gehasst haben. Wie haben es diese Sätze nur geschafft, sich aus unserem Mund zu schleichen? Wir schwören uns, dass uns das nie wieder passiert, denn wer will schon seine eigenen Eltern kopieren?

Und falls unsere Kinder doch ganz anders werden als wir? Was, wenn aus dem Veganerkind von heute morgen der Gründer für die deutsche Partei zum Erhalt der Massentierhaltung wird? Tja, dann war es die Aufgabe deiner Kinder, dir zu zeigen, dass es ihr Leben ist – und dass du noch einiges an Gelassenheit lernen kannst.

 

Und was ist eigentlich für Kinder ein gutes Vorlesebuch?

Kinder sind sehr dankbare Zuhörer. Das, was bei ihnen zählt, ist ein Vorlese-Opfer, das bei der Sache ist. Das nicht einfach nur den Text runterrattert, sondern ihnen Fragen stellt, sie Sachen aus dem Text in den Bildern suchen lässt und ihnen Dinge erklärt, die sie nicht verstehen.

Die Bilder müssen ansprechend sein – und ja, Glitzer ist gerade für die Mädchen oft tatsächlich verlockend.

Kinder lieben tatsächlich gereimte, einprägsame Texte. Und ich glaube, ihnen ist ziemlich egal, ob sie gut oder schlecht gereimt sind, Hauptsache, sie können sich mit der Geschichte identifizieren.

 

Das Fazit

Ehrlich gesagt gibt es keins, denn ich schwanke immer wieder zwischen den 2 Möglichkeiten: Meine Probleme bzw. Ängste in den Hintergrund zu stellen und Bücher vorzulesen, obwohl ich sie furchtbar finde, weil ich weiß, dass ich meinen Kindern dadurch einen Gefallen tue – oder die Kinder zu animieren, sich genau die Bücher vorlesen zu lassen, die ich wirklich mag.

Optimal ist, wenn man Vorlesebücher findet, die alle mögen. Dadurch geraten dann auch die schrecklichen Kinderbücher in Vergessenheit. ;)

Was ist eure Lösung? Habt ihr noch Tipps für mich?

 

Wo finde ich richtig gute Kinderbücher?

Ich empfehle immer wieder welche für meine Newsletter-Leser. Hier gibts meine 25 Lieblingsbücher für alternative Mütter. Und auch meine Blogrubrik mit Buchempfehlungen wächst ständig.

Ich freu mich, wenn ihr mal vorbeischaut.

 

Sandra Schindler schreibt Kinderbücher jenseits des Mainstream. 2016 erschien ihr Erstling „Der kleine Milchvampir“, ein Kinderbuch, das Müttern beim Abstillen helfen, aber sie gleichzeitig animieren soll, auf sich selbst zu hören.

Flim Pinguin im Kindergarten“ soll Kindergartenneulingen die Anfangszeit erleichtern – und ihnen die Trennungsangst nehmen.

Beide Bücher inklusive Trailer findet ihr hier.

 

Und wer auf Sandras Blog vorbeischauen möchte, der gehe hier entlang .